Devil May Cry 5

[Review] Devil May Cry 5

Mit Devil May Cry 5 liegt die Fortsetzung der sehr erfolgreichen Reihe aus dem Hause Capcom vor, die 2001 auf PlayStation 2 mit tollen Kritiken ihren Einstand feierte. Die Geschichte von Devil May Cry 5, die nach Devil May Cry 4 spielt, konzentriert sich auf eine massive dämonische Invasion unter der Führung eines bösartigen Dämonenkönigs namens Urizen. Unter der Führung des Serienneulings V treten, der legendäre Dämonenjäger Dante und sein einstiger Kumpel Nero gegen Urizen an, nur um direkt zu Beginn des Spiels eine erstaunliche Niederlage hinzunehmen. Nero überlebt schwer verletzt, während Dante als verschollen gilt. Einige Zeit später begibt sich Nero auf eine gnadenlose Reise, um die Welt zu retten. Die Reise führt ihn durch eine von zahllosen Monstern verwüstete Stadt und auf die Spitze eines massiven dämonischen Baumes, dem Qliphoth. Wenn man bedenkt das seit dem Erscheinen von Devil May Cry 4 bereits ziemlich genau 11 Jahre vergangen sind und es in der Zwischenzeit (2013) mit DmC: Devil May Cry bereits ein Reboot gab, stellt sich die Frage, wie gut man der Story da noch folgen kann. Wirklich alle Zusammenhänge habe ich beim Spielen tatsächlich nicht erfassen können, das ging mir aber vorher auch schon so. Das schöne dabei ist aber, das die Geschichte auch so problemlos funktioniert. So verwirrend einige Teile der Handlung auch sind, die elementaren Bestandteile sind immer klar verständlich, man hat immer ein Ziel vor Augen und auch wenn man mal etwas nicht sofort begreift, tut es dem Spielspaß keinen Abbruch. Dadurch heißt Devil May Cry 5 auch Serieneinsteiger absolut unproblematisch und herzlich willkommen.

Devil May Cry 5

Devil May Cry 5 ist eine wilde Mischung aus dämonischer Magie, hektoliterweise Blut, fetziger Rockmusik und sytlischem Gameplay. Am Ende eines normalen Spieldurchlaufes hat man garantiert Tausende von Dämonen getötet und hat Bosskämpfe von biblischem Ausmaß bestritten. Es gibt eine spürbare Lernkurve, da der Spieler mit allen ihm zur Verfügung stehenden Gadgets und Möglichkeiten nach und nach vertraut gemacht wird. Spieler können Feinde in Stücke schlagen, sie in die Luft jagen und durch die Gegend treten. Sobald man den Dreh raus hat, geht das stilvolle Gemetzel, für das die Serie berühmt ist, erst richtig los. Das besondere an dieser Art von Action-Spiel, sei es halt Devil May Cry, Metal Gear Rising oder Bayonetta, besteht darin, zu lernen, wie man alle Bewegungsabläufe und Aktionen in einen anmutigen und absolut tödlichen Tanz verwandelt. Devil May Cry 5 ist ein teuflischer Walzer, bei dem das Fehlen eines Knopfdrucks, oder nicht perfektes Timing, schreckliche Folgen haben kann. Darin liegt aber auch irgendwie die Faszination von Devil May Cry.

Devil May Cry 5 Review

Nero ist wütend, verdammt wütend. Von Dante während ihres unglücklichen Kampfes vor den Kopf gestoßen und durch den tragischen Verlust seines rechten Armes tief erschüttert. Doch Nero ist gewillt, zu beweisen das er es drauf hat. Den Charakter Nero zu spielen bedeutet, seine Frustration und seinen schmerzlichen Verlust in den Kampf gegen jeden einzelnen Dämon zu lenken, der seinen Weg kreuzt. Neros Schwert kann zusätzlich vor dem Angriff mit Energie aufgeladen werden, um seinen Hieben etwas mehr Pep zu verleihen. Zudem kann Nero mit einer Vielzahl von künstlichen Armen ausgestattet werden, die von der etwas nerdigen Mechanikerin Nico hergestellt wurden, einem neuen Charakter der Serie. Der Standardarm löst einen starken Blitz aus, andere wiederum haben verschiedene verheerende Fähigkeiten. Du findest Arme, mit denen du Feinde wie ein Profi-Ringer herumschleudern kannst, die dich aufladen, um Energiestrahlen freizusetzen, dich durch die Luft treiben und Raketenfäuste abfeuern, die Feinde von selbst angreifen. Wenn du als Nero den Dämonen richtig in den Arsch treten willst, musst du dich mit jeden dieser Tricks und Finessen vertraut machen.

Devil May Cry 5 Test

Wer die Reihe bereits kennt, wird natürlich auch bei Devil May Cry 5 ein bekanntes und grundlegendes Element vorfinden. Wie bei vorherigen Spielen der Serie wird jede Aktion des Gameplays gewertet und von einem Buchstaben-Ranking begleitet, um darzustellen, wie stylisch und tödlich die Aktionen sind. Es beginnt bei D für „düster“ und entwickelt sich zum ultimativen SSS-Rating für „Smokin‘ Sexy Style“! Vielfalt ist die Würze des Lebens, so auch bei Devil May Cry 5: Je mehr man tötet und je abwechslungsreicher man dabei vorgehst, desto mehr steigt der Rang. Das bedeutet aber auch, dass sich die ersten Teile des Spiels durchaus etwas einschränkend anfühlen können, da man erst nach und nach Zugang zu den verschiedenen Schwertkombinationen, Spezialattacken und kniffligen Ausweichfähigkeiten hat, die notwendig sind, um die höheren Ränge zu erreichen. Es ist aber keineswegs frustrierend, sondern es motiviert viel mehr sich durch Spielfortschritte und Freischaltungen neue Möglichkeiten anzueignen und diese zu meistern.

Devil May Cry 5

Nero bleibt nicht der einzige Charakter, der im Spiel zur Verfügung steht. Ein Großteil der frühen Phasen des Spiels wird als mysteriöser Newcomer V gespielt, dessen gebrechlicher Körper von einem Schwarm von Tiervertrauten umschwirrt wird, diese unterstützen ihn im Kampf gegen die dämonischen Feinde, bis er selbst zum tödlichen Schlag ansetzen kann. Wo Nero wütend und zornig ist, ist V vorausschauend und beherrscht. In einer Serie, in der Aggression und rasante Action das A und O sind, stellt V dieses dynamische Konzept auf den Kopf.

Das Spielen als V fühlt sich manchmal langsam und sehr taktisch an. Er wirkt im Kampf so zerbrechlich und träge. Mit Nero geht es immer direkt ins Getümmel, einfach drauf auf die Dämonen. Als V ist das komplizierter und komplexer. V bringt sich schwebend in die richtige Position und beschwört dann den richtigen Diener, um seine Feinde zu bestrafen. Dieser Kampfstil sagt auch einiges über V als Charakter as – er ist distanziert, reserviert und berechnend. Das bringt aber eine besondere Abwechslung in die Missionen von Devil May Cry 5. Beide Charaktere machen Spaß und dieser Wechsel zwingt einen dazu, sich verschiedenen Taktiken gegen feindliche Monster zurechtzulegen und die Geschehnisse auch mal aus einer anderen Perspektiven zu betrachten. Im Spielverlauf gibt es auch seltene Fälle, in denen man die Wahl hat, als Nero oder V eine bestimmte Mission zu spielen. Dies bietet nicht nur Wiederspielwert, sondern auch eine willkommene Abwechslung, die das Spielerlebnis abrundet.

Devil May Cry V

Es wäre aber irgendwie kein richtiges Devil May Cry ohne Dante. Devil May Cry 5 liefert die ultimative Version von ihm. Dante hat in den Jahren des Dämonentötens Dutzende von Waffen und Kampfstilen gesammelt und gemeistert. Statt eines banalen Twists, der die Spieler zwingt, Dante dabei zu helfen seine Fähigkeiten neu zu erlernen oder ein Videospielszenario zu erfinden, in dem Dante seine verlorene Macht wiedererlangen muss, hat Devil May Cry 5 Dante einfach raus. Ihm stehen nicht nur sofort sein charakteristisches Schwert und die Pistolen zu Verfügung, nein er hat viele zusätzliche Gadgets und ein Motorrad, um gegen Feinde zu kämpfen. I Laufe der Geschichte stehen ihm noch mehr Waffen und neue Kampftechniken zur Verfügung. Alle diese Waffen können mit einer von vier Haltungen – Trickster, Gunslinger, Swordmaster und Royal Guard – ergänzt werden. Jeder Stil verleiht den Waffen einen anderen Effekt, alle Werkzeuge können zudem spontan kombiniert werden. Es ist wild, stilvoll und gnadenlos übertrieben – mehr DMC-Style geht nicht.

Devil May Cry 5

Allerdings sollte man sich bei dieser enormen Anzahl Nahkampf- und Schusswaffen, die alle je nach gewähltem Kampfstil noch erweitert werden können, etwas spezialisieren um nicht vor lauter Möglichkeiten erschlagen zu werden. Es ist durchaus in Ordnung sich nur mit einem Teil besonders vertraut zu machen, dafür aber alles im Griff zu haben. Bei aller Komplexität des Kampfsystems von Devil May Cry 5 ist das Gameplay doch unglaublich intuitiv. Nach ein wenig Übung und ein paar Fehlern steigt der Lerneffekt rapide an und jeder findet eine Taktik, die funktioniert. So wird jeder den spaßigen Mittelweg finden tolle Kämpfe zu erleben, auch mal Wertungen von „S“ oder höher zu erreichen und trotzdem gut im Spiel vorn zu kommen. Für das Meistern und Ausprobieren bieten sich dann noch genug Gelegenheiten. Nero und V haben ihre eigenen Besonderheiten, aber Dantes Status als Alleskönner bedeutet, dass Sie man erst einen Spielstil finden muss, der einem liegt. Grundsätzlich liegt es aber natürlich jedem frei, an die Sache heranzugehen. Da Devil May Cry 5 den Tausch von Waffen und Stilen auch sehr einfach macht stehen auch neugierigen Spielern oder Perfektionisten alle Optionen offen. Für manche Spieler ist das auch der elementare Bestandteil von Devil May Cry – solange probieren bis man den perfekten Stil gefunden und die Highscore erreicht hat. Danach gleich noch mal, denn besser geht immer irgendwie. Wer besondere Herausforderungen liebt, hat natürlich noch die Möglichkeit, ganz klassisch, den Schwierigkeitsgrad zu erhöhen. Zu Beginn des Spiels stehen zwei zur Verfügung, die anderen gilt es jedoch freizuspielen. Wer auf das Ding – andere Waffen, andere Kills und anderer Style – nicht steht und auch im Spielverlauf schon mal Ermüdungserscheinungen erlebt, der sieht hier natürlich auch keinen Wiederspielwert. Und das ist sogar absolut verständlich.

Devil May Cry 5

So intuitiv das Kampfsystem auch ist und cool die Charaktere auch ausgearbeitet sind, die Handlung ist teilweise schon sehr verwirrend und manchmal scheint das Geschehen auch wenig Sinn zu machen, selbst für eingefleischte Fans der Serie. Das liegt oft daran das manche Dinge nicht gut beziehungsweise ausführlich genug kommuniziert werden. Dabei hätte man sich, als Kontrast zu den rasanten Kämpfen und dem brachialen Soundtrack, gerade in den Zwischensequenzen mehr Zeit zum erzählen und erklären nehmen können. Das hat im Verlauf der Reihe schon mal besser geklappt und das hat Ninja Theory mit dem Reboot DmC: Devil May Cry auch sehr gut gemacht. Das soll aber auch nicht bedeuten, das dies ein Problem darstellt, oder einen extremen Kritikpunkt darstellt. Wenn ich daran denke wie mich das erste Devil May Cry auf der PlayStation 2 damals geflasht hat und ich ohne die zwischenzeitlich erschienen HD-Versionen trotzdem gar nichts mehr von der Story gewusst hätte, scheint das Grundkonzept ja zu funktionieren. Trotzdem war es das Reboot, das mich nach Devil May Cry 2 wieder zur Reihe zurückbrachte, denn in der Zwischenzeit hatte sich mein bevorzugter Spielegeschmack etwas geändert. Andersherum gibt es aber auch genug Spieler, die gerade das Reboot nicht so gelungen fanden und wieder zu den Wurzeln zurückwollten. Meiner Meinung nach schafft Devil May Cry 5 genau diesen Spagat. Da hat sich jemand auf die lange Reise zurück zu den Wurzeln gemacht und hatte einen Rucksack voller guter Dinge des Reboots.

Devil May Cry 5 Review

Optisch ist Devil May Cry 5 übrigens ein absoluter Leckerbissen. Die Spielgrafik ist absolut gelungen und effektgeladen. Dazu gesellen sich sehr hochwertige Zwischensequenzen, die Charakter sehen absolut super aus. Das Leveldesign ist abwechslungsreich, bei fast jedem Boss-Kampf geht es gehörig zur Sache und da erreichen die Zerstörungsorgien extreme Ausmaße. Das Spiel nutzt die Re-Engine, die erstmalig bei Resident Evil 7: Biohazard zum Einsatz kam. Grafisch gibt es also nichts zu meckern. Lediglich einige künstliche Levelgrenzen hätte man eventuell etwas besser gestalten bzw. kaschieren können.

Auf die Ohren gibt es bei Devil May Cry 5 auch ordentlich, Serienkenner wissen das fetzige und treiben Musikstücke die Kämpfe untermalen und den Adrenalinpegel nach oben treiben. Die Soundkulisse insgesamt ist recht stimmig und macht im Zusammenspiel mit der gelungenen Grafik das Spiel zu einem audiovisuellen Erlebnis. Die englischen Sprecher machen einen guten Job, die stimmen passen zu den Charakteren und das Ganze läuft auch recht lippensynchron. Als heimlicher Vorsitzender des noch nicht gegründeten Deutsche Synchronisation e. V. bin ich natürlich etwas enttäuscht das es keine deutsche Tonspur, sondern nur deutsche Untertitel gibt. Das war beim Reboot noch anders und hat mir gut gefallen. Als Fan-Service bietet Capcom noch die japanische Sprachausgabe an.

Apropos Fans-Service – wer sich die minimal teure Deluxe Edition des Spiels gönnt, erhält neben ein paar Items auch die Live-Action-Cutscenes. Hier sei aber darauf hingewiesen das es sich tatsächlich um etwas für waschechte Fans handelt, denn wer hier Action-Szenen auf Filmniveau erwartet wird bitter enttäuscht. Tatsächlich gibt es hier nur Cosplay-Niveau mit primitiven Spezialeffekten. Durchaus witzig, für einige, für die breite Masse wohl eher abschreckend.

Devil May Cry 5 Deluxe Edition

Devil May Cry 5 ist eine gelungene Fortsetzung und wird Serienfans glücklich machen. Die Kampagne bietet etwas 15 bis 20 Stunden ordentlich Action und gute (oberflächliche) Unterhaltung, auf einem ordentlichen und für die Serie üblichen Niveau. Dazu gibt es wieder massenhaft Geheimmissionen, Herausforderungen und auch einen (für Fans) durchaus gegeben Wiederspielwert. Technisch ohne Makel und vorzeigbar kann man sagen – soweit alles richtig gemacht! Etwas mehr Handlung und vor allem mehr erzählerischer Inhalt in den Zwischensequenzen hätte trotzdem nicht geschadet. Dazu wäre ein etwas abwechslungsreicheres Missionsdesign wünschenswert gewesen. Trotzdem werden Fans sagen:

Es rockt, es bockt – wird bis zum Abwinken gezockt!

Devil May Cry 5 Logo

 

Devil May Cry 5

8.8

Grafik

9.6/10

Sound

9.1/10

Gameplay

8.8/10

Umfang

8.6/10

Spielspaß

7.8/10

Pros

  • beeindruckende Grafik
  • technisch Top
  • zahlreiche Fähigkeiten und Waffen
  • präzise Steuerung
  • guter Umfang

Cons

  • Missiondesign etwas eintönig
  • verwirrende Story
  • Wiederspielwert nur für Fans
  • keine deutsche Sprachausgabe

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