[Review] Wolfenstein 2: The New Colossus

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William Joseph Blazkowicz – besser bekannt als BJ Blazkowicz – ist wieder da. Und wie er wieder da ist!
Im zweiten Teil von Wolfenstein mit dem Untertitel „The New Colossus“ schickt Entwickler Machine Games den Nazi, ähm, Regime-Jäger dieses Mal in die USA und sogar auf die Venus, um in alter Manier mal wieder richtig die Sau raus zu lassen. Wir haben uns die PS4-Version des Single-Player-Shooters genauer angesehen.

Wolfenstein 2 setzt direkt am Ende des ersten Teils „The New Order“ an. Dort hat BJ dem brutalen General Totenkopf nach dem letzen großen Kampf ein Messer ins Herz gejagt und der General bei seinem Ableben gerade noch eine Handgranate gezündet, um den Freiheitskämpfer mit in den Tod zu reißen. Doch wie so oft wird er im letzten Moment vom Wiesenau-Kreis – so der Name der Widerstandbewegung – aus dem Gefahrenbereich gezerrt. Daraufhin liegt er erst einmal eine gewisse Zeit im Halbkoma und wird auf der neuen Basisstation in Form eines vom Regime gekaperten U-Boots von den Kameraden des Widerstands gepflegt. Als eben dieses U-Boot vom Regime angegriffen wird, erwacht BJ aus seinem Tiefschlaf, schleppt seinen degenerierten Körper in einen Rollstuhl, schnappt sich ein Maschinengewehr und der Wahnsinn nimmt seinen Lauf.

Wolfenstein 2

Es beginnt eine wahnwitzige, abgedrehte, aber dennoch tiefgründige Geschichte. Es dauert dann auch nicht lange, bis man Bekanntschaft mit dem neuen Ober-Bösewicht in Gestalt von Frau Irene Engel macht, der wir schon im ersten Teil der Reihe das Gesicht „umoperiert“ haben. Diese tötet die Revolutionsführerin Caroline, von der wir uns sogleich ihre Motorrüstung aneignen und ab sofort wieder auf eigenen Beinen stehen und dem Regime in den Hintern treten können.
Und von da an nimmt der Wahnsinn erst richtig seinen Lauf…

Wolfenstein 2

Wie bereits im Vorgänger, belohnt „Wolfenstein 2“ die persönliche Spielweise. Wenn man zum Beispiel viele Gegner heimlich tötet, schaltet man automatisch „Heimliches Überwältigen“ frei, das BJ in geduckter Haltung schneller laufen lässt. Geht man dagegen mit brutaler Gewalt vor, bekommt man den „Schwere-Waffen-Kills“-Vorteil, der das Magazin für die großen Gewehre erweitert. Wer gern mit Granaten um sich wirft, der darf mehr davon tragen. Und wer sich wiederum als Feuerteufel bewährt, der nimmt weniger Schaden durch Flammen.
Dieses System war schon im Vorgänger sehr hilfreich, aber nun lassen sich die Vorteile mehrfach steigern. Das geschieht jedoch im Hintergrund, ohne dass man sich darum kümmern muss.
Auch Waffen lassen sich nun mit Upgrades aufwerten, um dem eigenen Spielstil noch besser gerecht zu werden. Für das Sturmgewehr gibt es beispielsweise panzerbrechende Munition, für die Laserkanone einen „aufgeladenen Schuss“ und auch für alle anderen Waffen entsprechende Upgrades. Die Erweiterungen sind nicht nur nützlich, sondern sorgen dafür, dass sich die Knarren selbst spät im Spiel immer wieder anders und neu anfühlen.

Wolfenstein 2

Etwa ab Mitte des Spiels kommen dann noch Kampfmodifikationen hinzu, die sich nachrüsten lassen. Zunächst muss man sich aber für eine der drei Erweiterungen entscheiden:
Mit den Donnerfäusten kann man beschädigte Wände durchbrechen und Gegner umrennen.
Die sogenannten Schlachtenläufer sind ausfahrbare Stelzen, die den Spieler auf sonst schwer erreichbare Höhen kommen lassen und beim Töten von Gegnern einen Gesundheitsschub verursachen.
Die Pythongurte bewirken hingegen, dass sich unser Körper sehr stark komprimieren lässt, um uns durch eigentlich zu enge Rohre und Lüftungsschächte zu quetschen.
Durch diese Kampfmodifikationen lassen sich also alternative Wege oder Abkürzungen durch ein Level finden.

Wolfenstein 2

Zu Beginn des Spiels kann man aus sage und schreibe sechs (!) Schwierigkeitsgraden wählen und ein siebter lässt sich für Hardcore-Gamer noch freispielen. Genau wie im Vorgänger verlaufen die Schießereien extrem flüssig und in einem haarsträubenden Tempo. Schon der Standard-Schwierigkeitsgrad ist sehr herausfordernd und man ist schwer damit beschäftigt, Feinden auszuweichen, sie aus allen Richtungen zu beschießen, Heilgegenstände und Munition aufzusammeln oder alternative Routen zu finden, um sich wenigstens an ein paar von ihnen vorbei zu schummeln. Nur am Anfang eines Levels, bevor der unvermeidliche Alarm durch die Kommandanten ausgelöst wird, schleichen wir auch mal etwas umher und schalten Feinde mit brutalen Finishern aus dem Hinterhalt aus.

Wolfenstein 2

Technisch ist The New Colossus allererste Sahne. Die Waffen sind fantasievoll und doch realistisch gestaltet und die Kill-Animationen sehen hervorragend aus. Die Levels selbst sind sehr stimmig im Design. So sieht das postapokalyptische New York sehr beklemmend aus, während zum Beispiel die Stadt Roswell hell in der Wüstensonne erstrahlt.
Die Musik peitscht uns derweil mit ihren Industrial- und Metal-Klängen durch die wilden Schlachten und passt perfekt zum restlichen Setting.
Die Story ist, wie bereits erwähnt, herrlich durchgeknallt, aber auch sehr tiefgründig. Bethesda und Machine Games ist es hier gelungen, die Höhen und Tiefen der Geschichte perfekt in Einklang zu bringen. So erlebt man in Rückblenden zum Beispiel schmerzliche Begebenheiten aus Williams Kindheit, während man an anderer Stelle einen verrückten Dialog verfolgt, in dem ein Regime-Soldat zwei Ku-Klux-Klan-Anhänger auf der Straße über die Geschichte des Regimes ausfragt.

Wolfenstein 2

Nach etwa 12 Stunden Spielzeit ist die Hauptmission leider schon durchgespielt. Erledigt man aber die zahlreichen Nebenmissionen, die einem die vielen Mitbewohner des U-Boots aufgeben, kommen noch einmal circa 3 Stunden hinzu. Diese Missionen kann man aber auch nach dem Abspann des Spiels noch nachholen, ebenso wie die Missionen mit den versteckten Kommandanten, die es mit Hilfe der im Spiel gesammelten Enigma-Codes aufzuspüren und zu eliminieren gilt.

Schwarzer Humor, gepaart mit einer interessanten, teilweise dramatischen Geschichte und viel, nein, literweise Blut, innovativen Waffen und kreativen Gegnern: Das ist Wolfenstein 2: The New Colossus. Wer auf einen schnellen Shooter a la Doom gewartet hat, der darf hier bedenkenlos zugreifen!

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Wolfenstein 2: The New Colossus

9.5

Grafik

9.6/10

Sound

9.2/10

Gameplay

9.5/10

Umfang

9.5/10

Spielspaß

9.6/10

Pros

  • abgedrehte, aber auch tiefgründige Story
  • fantastische Grafik
  • stimmiger, antreibender Sound
  • komplett auf deutsch

Cons

  • deutsche Sprachausgabe oft nicht lippensynchron
  • etwas nerviges Einsammeln der PowerUps und Munition
  • kein Mehrspielermodus

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